12/2017 Mutterschutzverordnung

12/2017 Mutterschutzverordnung:

Parallel zu den Vereinfachungen im Arbeitsschutz gibt es auch im Mutterschutz eine Vereinfachung für die werdende Mutter:  Es genügt das Zeugnis eines Facharztes (bisher Amtsarzt oder Arbeitsinspektionsarzt) in vielen Fällen (=medizinischen Indikationen) für eine Freistellung von der Beschäftigung noch vor Beginn der Achtwochenfrist. Die medizinischen Indikationen sind in der neuen Mutterschutzverordnung, BGBl II Nr. 311/2017 aufgezählt. Die Regelung gilt ab 1.1.2018.

Die Ausstellung des Zeugnisses kann nur durch Fachärzte/Fachärztinnen für Frauenheilkunde und Fachärzte/Fachärztinnen für Innere Medizin erfolgen.

Die Freistellung ist erst ab der 15. Schwangerschaftswoche zulässig, ausgenommen, wenn besondere Umstände vorliegen, die eine frühere Freistellung zwingend erforderlich machen.

Die medizinischen Indikationen sind:

  1. Anämie mit Hämoglobin im Blut < 8,5 g/dl mit zusätzlicher kardiopulmonaler Symptomatik;
  2. Auffälligkeiten im pränatalen Ultraschall mit drohendem Risiko einer Frühgeburt unter laufender Therapie (zB Polyhydramnion);
  3. belastete Anamnese mit Status post spontanem Spätabort oder Frühgeburt eines Einlings (16. bis 36. Schwangerschaftswoche);
  4. insulinpflichtiger Diabetes Mellitus (IDDM) mit rezidivierenden Hyper- oder Hypoglykämien;
  5. kongenitale Fehlbildungen;
  6. Mehrlingsschwangerschaften;
  7. eine oder mehrere Organtransplantationen, denen die werdende Mutter unterzogen wurde;
  8. Plazenta praevia totalis bzw. partialis ab der 20. Schwangerschaftswoche;
  9. Präeklampsie, E-P-H-Gestose;
  10. sonographisch bewiesene subamniale oder subplazentare Einblutungszonen (Hämatome) mit klinischer Symptomatik;
  11. Status post Konisation;
  12. thromboembolische Geschehen in der laufenden Schwangerschaft;
  13. Fehlbildungen des Uterus;
  14. Verdacht auf Plazenta increta/percreta inklusive Narbeninvasion ab der 20. Schwangerschaftswoche;
  15. vorzeitige Wehen bei Zustand nach Tokolyse im Krankenhaus;
  16. Wachstumsretardierung mit nachgewiesener Mangelversorgung des Feten;
  17. Zervixinsuffizienz: Zervixlänge unter 25 mm Länge und/oder Cerclage in laufender Schwangerschaft